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Verzierungen & Verschlüsse

Stickerei & Stoffmalfarben
Applikation & Borten
Verschlüsse

Stickerei & Stoffmalfarben

Gestickte Verzierungen sind eine wunderschöne Alternative zur gekauften Borte und auch bedeutend "authentischer" (für diejenigen, die Wert darauf legen ;-)

Sticken kann man eigentlich auf jedem Material, aber gerade am Anfang wird die Stickerei erleichtert, wenn man einen Grundstoff mit sichtbaren Gewebefäden verwendet. Das wären z.B. Leinenstoffe und Baumwollstoffe. Diese Stoffe sind "auszählbar", das heißt, sie haben die gleiche Anzahl Kett- und Schußfäden pro Quadratzentimeter. Man kann also anhand der Fäden sein Muster auszählen. Übertragt Euer Muster auf Karopapier, jedes Kästchen ist ein Stickstich. Diese Art der Mustererstellung eignet sich besonders für den Kreuzstich.

Der Stickfaden sollte dicker sein als normales Nähgarn. Es gibt extra Sticktwist zu kaufen, zum Beispiel von der Firma Archor. Was außer Sticktwist noch geht, ist beispielsweise Häkelgarn und Wolle. Häkelgarn ist zwar auch nicht billig, aber günstiger als Stickgarn. Bei Wolle solltet Ihr darauf achten, dass diese "glatt" ist. Also keine Bouclewolle oder Zottelwolle. Auch Sockenwolle ist nicht wirklich gut geeignet, weil diese sich durch die Reibung am Stoff aufrauht und dann wird das Stickbild unregelmäßiger.

Zum Sticken werden spezielle Nadeln verwendet, die eine stumpfere Spitze haben als die normale Nähnadel. Außerdem ist meistens das Nadelöhr größer, also lassen dickere Fäden sich einfacher einfädeln. Diese Sticknadeln bekommt man in der Regel in jedem Kaufhaus mit Handarbeitsabteilung.

Um ein Stickmuster auf den Stoff zu übertragen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum einen gibt es Transferfolien, auf die mit einem normalen Drucker das Motiv gedruckt wird. Das Motiv kann von der Folie dann mittels bügeln auf den Stoff gebracht werden. Ohne diese Hilfsmittel gibt es die Möglichkeit, das Motiv mit einem sehr weichen Bleistift auf ein durchsichtiges Papier zu zeichnen. Dann wird das Papier mit der bezeichneten Seite auf den Stoff gelegt und die Linien werden von der Rückseite nochmal mit einem Bleistift nachgefahren. Dadurch drückt sich die Zeichnung etwas auf den Unterstoff durch und kann dann nachgezeichnet werden. Das funktioniert mit Bleistift natürlich nur auf hellen Stoffen. Auf dunklem Material sollte es aber mit Schneiderkreide oder Tafelkreide auch gehen.

Stickmotive zu finden sollte keine so schwere Aufgabe sein. Dazu eignet sich letztlich fast alles. Haltet die Augen offen, häufig findet man in Büchern "Randverzierungen", die sich als gestickte Bordüre sehr schön machen würden. Und auch das Internet ist voll von Stickvorlagen und Mustern. Achtet aber auf das Copyrigth!

Es gibt sehr viele Stickstiche und jeder ist für eine andere Aufgabe geeignet. Ich werde mal die gängigsten Stickstiche aufzählen: Stielstich, Kreuzstich, Hexenstich, Gobelinstich, Klosterstich, Plattstich, Langettenstich, Kettenstich, Spaltstich, Rückstich, Vorstich.
Gib einfach den Namen des Stickstiches bei Google ein und Du wirst sicher eine Anleitung finden, wie der Stich auszuführen ist. Bald wird es aber auch hier auf der Seite eine Sektion für Stickstiche geben.


Mit Stoffmalfarben kann man eine Menge anstellen. Ähnlich wie beim Sticken kann man auf fast jedes Motiv oder Muster zurückgreifen.

Stoffmalfarben gibt es in verschiedenen Formen: die flüssige Stoffmalfarbe, die mit einem Pinsel oder Stempel aufgetragen wird oder Stoffmalfarbe in Stiften.

Flüssige Stoffmalfarbe eignet sich gut, wenn Ihr größere Flächen ausmalen wollt, z.B. wenn Ihr ein Wappen malt. Die Stoffmalstifte sind toll, um die Ränder der Flächen zu betonen und abzugrenzen. Aber auch dünne Bordürenmuster lassen sich schnell damit machen.

Außer diesen beiden Formen gibt es noch diese Aufbügel-Farben. Ich kenne die unter der Bezeichnung "fun&fancy-Textilstifte". Das Ganze funktioniert ähnlich wie "Window-Color", man malt das Motiv auf eine Folie und kann es dann abziehen und aufbügeln. Allerdings sieht das Zeug auch nach dem Aufbügeln noch aus wie "Window-Color", also nicht geeignet, um "historische" Gewänder zu verzieren.

Wie Ihr die Farben behandeln müsst, damit das Ganze auch waschbar wird, steht meistens auf der Packung oder Ihr schaut auf der Internetseite der Herstellerfirma.

Stoffmalfarben funktionieren allerdings nicht auf allen Stoffen. Am Besten geeignet sind Naturfasern wie Baumwolle oder Leinen. Viscose könnte gehen, aber da übernehme ich keine Garantie ;-) Für Seide würde ich sogar die richtigen Seidenmalfarben benutzen, aber Stoffmalfarben gehen sicher auch. Wie es mit Stoffmalfarbe auf Wollstoffen aussieht, wage ich nicht zu beurteilen. Da hilft wahrscheinlich nur der Versuch oder eine Anfrage bei einer Herstellerfirma.

Alles, was Ihr sonst noch über Stoffmalfarben wissen müsst, steht auf den Verpackungen. Es gibt spezielle Stoffmalfarben für dunkle Stoffe (diese Farben haben eine besonders hohe Deckkraft), achtet darauf, was Ihr kauft!

Applikationen & Borten

Applikation bezeichnet das Aufnähen von Motiven auf einen Trägerstoff. Zum Applizieren eignen sich am Besten festere Stoff, weil diese nicht so schnell verrutschen. Aber mit den richtigen Hilfsmitteln gehen auch leichte, fließende Stoffe.

Zuerst muss man sich mal ein Motiv zum Applizieren aussuchen. Dieses Motiv sollte nicht zu kompliziert sein.

Um das Applizieren zu erleichtern, kann man sich "Bügelvlies" besorgen (das Zeug hat einen Namen, aber ich komm nicht drauf...). Dieses Vlies ist so behandelt, dass es von beiden Seiten klebt, wenn man es bügelt. Auf der einen Seite wird der Stoff aufgebügelt, der appliziert werden soll. Dann kann das Motiv ausgeschnitten werden und die andere Seite wird auf den Trägerstoff gebügelt. Wie das Ganze genau funktioniert, können Euch sicher die freundlichen Damen im Nähzubehör-Fachgeschäft erklären ;-)

Wenn man kein Bügelvlies hat oder keins benutzen will, ist es das Beste, das Motiv nach dem Ausschneiden erstmal von Hand auf den Trägerstoff zu nähen. Jetzt kann das Motiv nicht mehr wegrutschen und es kann weitergehen.

Stellt an der Nähmaschine den Zick-Zack-Stich ein, mit einem dichten Fadenabstand. Manche Maschinen haben auch direkt einen Stich, der sozusagen eine "fette" Linie näht. Der Stich sollte dicht an dicht von links nach rechts gehen, damit eine geschlossene Fadenoberfläche entsteht. Probiert ein wenig auf einem Reststück Stoff, welche Einstellung die besten Ergebnisse bringt. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, die Unterfadenspannung etwas zu erhöhen,.dadurch wird der Oberfaden auf die Unterseite des Trägerstoffes gezogen und das Ganze sitzt etwas straffer.

Theorethisch müssen jetzt nur noch die Schnittkanten des Applikationsmotives mit diesem "Plattstich" übergenäht werden. Der Stich sollte auf einer Seite in den Stoff des Motivs stechen, auf der anderen Seite nur in den Trägerstoff. Dabei ist zu beachten: Je dicker der zu applizierende Stoff, desto höher muss die Stichbreite eingestellt sein.

Fall Ihr mal irgendwo etwas vom Motiv nicht erwischt habt, könnt Ihr entweder von vorne anfangen oder einfach nochmal über diese Stelle nähen. Das wird man allerdings sehen, also lasst es beim Applizieren ganz langsam angehen.

Eine ganz andere Möglichkeit ist, das Motiv nicht zuerst auszuschneiden, sondern es voher mit Zick-Zack-Stich auf dem Trägerstoff festnähen und dann ganz vorsichtig am Rand der Zick-Zack-Naht enlang die Stoffreste des Motivs abzuschneiden. Geht beides, aber die erste Methode ist ordentlicher!

Borten sind eine schnelle Methode ein Gewand zu verzieren. Zumindest mit gekauften Borten. Wenn Ihr Eure Borten selbst weben wollt, schaut im Internet nach Seiten über das Brettchenweben. Diese Technik ist eigentlich recht einfach, wenn man das Prinzip erstmal verstanden hat ;-)

Wer es nicht so genau nimmt, kauft seine Borte. Borten gibt es in Stoffläden, in Bastelgeschäften und natürlich im Internet. Schaut mal in die Shop-Links oder bei Ebay

Ich persönlich unterscheide Borten in drei Gruppen: Borten (alles, was mit Mustern verziert ist), Tressen (aus Kordel oder Fäden gedrehte Besätze) und Litzen (einfache gewebte Bänder ohne Muster). Naja, ich unterscheide so...der Rest der Welt wahrscheinlich nicht ;-)

Borten sollte man immer an beiden Rändern annähen, nicht nur in der Mitte. Beim Waschen wird sich die Borte umklappen und dann muss man die entweder nochmal ordentlich annähen oder jedes Mal wieder flachbügeln. Dann doch gleich richtig. Benutzt nach Möglichkeit einen Faden, der sich der Borte gut anpasst, dann fällt die Naht nicht besonders auf. Oder Ihr näht die Borte von Hand mit ganz kleinen Stichen an.

Wenn Ihr Borten um eine Rundung herum annähen wollt, müsst Ihr den inneren Rand der Borte "verkürzen". Entweder legt Ihr die Borte in der Rundung in kleine Falten, damit der innere Rand kürzer wird als der äußere Rand. Das unterbricht aber das Muster. Die andere Möglichkeit ist, die innere Seite der Borte zu raffen. Nehmt eine Nähnadel mit einem Faden, der farblich zur Borte passt und "fädelt" den Faden nah am Rand durch die Borte. Wenn Ihr jetzt ein Fadenende schön fest haltet und am anderen vorsichtig zieht, schiebt sich die Borte auf dem Faden zusammen und legt sich etwas rund. Je mehr Ihr die Borte zusammenschiebt, desto runder wird das ganze. Wenn die Borte die richtige Rundung hat, verknotet Ihr die Fadenenden fest und könnt die Borte aufnähen.

Tressen sind meistens nicht besonders breit und man kann einfach in der Mitte rübernähen. Wobei das manchmal gar nicht so einfach ist, also nicht gleich Vollgas geben. Diese Bänder werden auch Posamenten genannt. Man kann die auch sehr gut in der Mitte auseinander schneiden, dann hat man die doppelte Menge, aber nur noch halb so breit.

Litzen... sucht mal bei Google nach "Zackenlitze", dann seht Ihr, was ich damit meine. Das sind beispielsweise Bänder in Wellenform. Sowas lässt sich sehr gut miteinander kombinieren, oder man näht in die Mitte eine schöne Borte und die Zackenlitze an die Ränder der Borte. So kommt man günstig an eine richtig breite Borte ;-)

Verlasst Euch bitte nicht auf meine "Produktbezeichnungen"! Tresse meint z.B. auch ein Einfaßband aus Wolle. Ich meine mit Tresse aber wirklich nur diese zusammengedrehten Bänder!

Verschlüsse

Irgendwie wollen wir unsere Klamotten ja auch verschließen. Und das noch möglichst stilecht.

Reissverschlüsse, Klettband und Druckknöpfe sollte man nach Möglichkeit nicht sichtbar verwenden. Wenn Ihr das Ganze unter einer Blende versteckt, ist dagegen aber (von meiner Seite aus ;-) nichts einzuwenden.

Welche anderen Möglichkeiten bleiben uns da noch? Eine Menge: Schnürungen, Knopfleisten oder "Haken" und "Augen". Und das kann man alles auch selber machen, mit mehr oder weniger Aufwand!

Für Schnürungen gibt es verschiedene Lösungen. Z.B. finde ich es eine unheimlich neckische Idee, Unterlegscheiben im Baumarkt zu kaufen und diese mit Sternzwirn an einer Seite der Scheibe fest an das Gewand zu nähen. Durch das Loch in der Unterlegscheibe kann eine Kordel gefädelt werden und fertig ist die Schnürung! Ein anderer Weg ist der, Schlaufen aus Band auf das Gewand zu nähen oder die Schlaufen beim Verstürzen mitzufassen. Wie das funktioniert, hab ich in der Anleitung zum Schnürmieder beschrieben.

Außerdem gibt es noch die Ösen! Die gibts fertig im Handel zu kaufen, in verschiedenen Größen und Qualitäten. Wenn Ihr wirklich gute Ösen wollt, die fest im Stoff sitzen und nicht ausreißen, nehmt Ösen mit Scheiben! Und um die Ösen schnell und einfach in den Stoff zu bekommen, kauft Euch die "Variozange" von Prym. Ich will keine Werbung machen, aber ich persönlich bin begeistert von dem Teil. Mit dieser Zange könnt Ihr alle Ösen, Nieten und solchen Kram, der von der Firma Prym ist, verarbeiten. Wie man Ösen mit oder ohne Zange verarbeitet ist auf der Packung angegeben.

Knopfleisten sind nicht schwierig: Knöpfe kaufen! Wer keine Knöpfe findet, die zum Gewand passen, macht sich eigene. Entweder näht man die aus Stoff oder man kauft "beziehbare" Knopfrohlinge. Diese Rohlinge kann man mit einem Stoff seiner Wahl überziehen. Man kann aber z.B. auch größere Perlen anstelle von Knöpfen verwenden. Das macht vor allem auch einen edlen Eindruck, wenn man richtig schöne Wachsperlen verwendet! Oder Perlen aus Edelsteinen, wie sie mal in Mode waren!

Und wo ziehen wir die Knöpfe durch? Entweder macht man Knopflöcher (manche Nähmaschinen haben eine Knopflochfunktion; von Hand werden Knopflöcher mit dem Langettenstich umstickt) oder man macht kleine Schlaufen aus Kordel, wie bei einer Schnürung.

Haken und Augen sind meine letzte Variante: Und sogar die kann man selbst machen! Besorgt Euch Draht aus dem Bastelladen (kein Aludraht und min. 0,8 mm dick!) sowie eine kleine Rund- und eine Flachzange. Schneidet Stücke von etwa 5 oder 6 cm aus dem Draht. Nun fasst Ihr die Mitte des einen Drahtes mit der Rundzange und biegt den Draht "um die Ecke". So wie das erste Bildchen oben links in der Zeichnung.

Herstellung Haken und Augen

Dann biegt Ihr an einem Ende des Drahtes eine ganz kleine Öse. Diese Öse klemmt Ihr jetzt flach zwischen die Arme der Flachzange. Dann könnt Ihr den Draht "aufwickeln", bis Ihr eine schöne Spirale habt. Das Gleiche macht Ihr jetzt mit dem anderen Drahtende (siehe Zeichnung). Fertig ist das erste Auge!

Für den Haken nehmt Ihr ein neues Stück Draht und biegt es wieder in der Mitte um. Dann fasst Ihr etwa einen Zentimeter von der (bereits umgebogenen) Hälfte mit der Rundzange und biegt das Ganze nochmals, aber eben so, dass es wie ds zweite Bildchen auf der Zeichnung wird. Das ist die seitliche Ansicht der "Krampe". Das dritte Bild ist wieder die Draufsicht von oben, da kann man den Haken natürlich nicht richtig erkennen.
Der Rest ist genau wie beim Auge: Kleine Öse biegen, Draht aufwickeln, Spirale fertig!

Diese Haken und Augen halten natürlich nicht so viel aus wie "richtige" Haken und Augen, aber dafür kann man diese Sorte hier unbesorgt auch sichtbar an der Gewandung befestigen. Und wenn man diese Verschlüsse aus dickeren, stabilerem Draht anfertigt (wobei dann natürlich auch der Kraftaufwand größer wird), halten sie sicher auch einen Mantel zusammen.

Nähen

Hier lernt Ihr die Grundlagen, die Ihr für die ersten Gewänder braucht.

Anleitungen

Hier findet Ihr die Anleitungen und Schnittmuster.

Buchtipps

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